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Kölner Stadt-Anzeiger: „Bürger machen ihrem Ärger Luft“

Am Mittwoch, den 11. Februar 2026 berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger über die Sondersitzung der Bürgerversammlung Ehrenfeld zur Planung des Schulneubaus am Lindweiler Hof.

Dazu erst einmal ein herzliches Dankeschön an alle anwesenden Politiker*innen, die diese Bürger*innenbeteiligung erst möglich gemacht hatten.

Dennoch wurde schnell deutlich: Ein Konsens ist nicht in Sicht. Rund 100 Bickendorferinnen und Bickendorfer hatten sich eingefunden und standen teilweise vor der Türe im Glaskasten des Eingangsbereiches. Und auch nach mehr als drei Stunden anstrengender Sitzung blieben weiterhin zentrale Fragen strittig.

Nach rund 100 ESE-Schülerinnen und Schülern soll nun eine Gesamtschule mit ca. 1100 Kindern und Jugendlichen mitten in den historischen Kern Bickendorfs ziehen – zunächst als Interim für das Monte-Gymnasium, später jedoch als zusätzlicher Schulstandort.

Doch: Das Schul-Neubaupaket ist zwar nötig für Köln und die Bildungslandschaft an sich, jedoch ein Fluch für den Mikrokosmos von Bickendorf.

Am Ende werden es rund 2.200 Schülerinnen und Schüler sein, die jeden Tag in Bickendorf beschult werden, obwohl der Bereich Ehrenfeld schon jetzt im Verhältnis zu seiner Größe mehr Gesamtschulen anbietet als alle umliegenden Veedel – und laut eigener Schulentwicklungsplanung von 2020 diesen Bedarf selbst überhaupt nicht hat. Eine wohnortnahe Beschulung mit entsprechendem Fuß- und Radverkehr ist also nicht mehr realistisch anzunehmen.

Die Vergabestrategie an Totalunternehmer mag gut sein für eine schnelle Realisierung von Bauvorhaben, birgt jedoch keinen Raum für eine angemessene Qualitätskontrolle und ist Gift für die Beteiligungskultur und die demokratische Teilhabe von Gremien und Bürger*innen.

Die demokratische Teilhabe der Menschen, die am meisten vom Vorhaben betroffen sein werden, ist systembedingt nicht vorgesehen. Der Vertrauensverlust in demokratische Systeme und der Verlust der politischen Heimat war in der Fassungslosigkeit nach der Sitzung spürbar.

Die Neuplanung Schule Lindweilerhof sieht weiterhin einen viel zu großen Bau auf einem deutlich zu kleinen Grundstück mitten im Herzen Bickendorfs vor. Der Klima- und Hochwasserschutz wird (vermutlich) den rechtlichen Ansprüchen gerecht, negiert aber die Anforderungen der Realität und zukünftiger Entwicklungen. Zieht man aktuelle Daten hinsichtlich Bevölkerungsentwicklung und Klimaprognosen zu Rate, passen diese in keinster Weise zu den bisherigen Planungen.

Die Schulhofflächen sind zu klein, Mindestanforderungen werden nicht erfüllt – denn Flächen für Stellplätze, Zufahrten etc. müssen in der Realität noch weiter abgezogen werden. Die Bedürfnisse der Kinder werden hintenangestellt.

Gesunde Bewegung ist in der Enge des Schulhofes kaum möglich und das Konzept sieht keine eigene Sporthalle vor – stattdessen einen überdimensionierten Bau irgendwann in der Zukunft auf dem Monte-Gelände, eine der größen Sporthallen in ganz Köln. Mitten im dörflichen Bickendorf, dessen Verkehrs- und Parksituation bereits jetzt und spätestens mit Veranstaltungen kurz vor dem Kollaps steht.

Ein wenig schade auch in eigener Sache: Immer wieder wurde unserem Konzept der Retentionsfläche (eine Senke ohne Wasser) vorgeworfen, es sei nicht umsetzbar, denn Kinder würden darin ertrinken. Als nach 3 Stunden enervierender Sitzung unser Künstler Wolfgang Stöcker dieses Argument in einer Zuspitzung umdrehte, da die geplante KiTa ausgerechnet am absoluten Tiefpunkt des Geländes gebaut werden soll, griff Herr Spelthann dies auf und spitzte es echauffierend noch weiter zu. So entstand der Aufhänger im Bericht.

Und: Obwohl uns erneut 3 kurze Reden zugesichert worden waren und wir die technische Ausstattung für die uns zugesicherte Präsentation bereit gehalten hatten, wurde den verbliebenen zwei Redner*innen das Wort durch Herrn Spelthann einfach verwehrt. So wurde wieder einmal die Eingabe der Künstlerinnen und Künstler durch den Bürgermeister erstickt und missachtet.

Daher möchten wir mit dem Fazit aus dem wunderbaren Kommentar von Lioba Lepping enden:

„Im Sinne gelebter Demokratie ist zu wünschen, dass die Stadt ihre Planungen noch einmal überdenkt.“

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